HISTORY

Marokko Rallye 1974
08.05.1974 – 13.05.1974


Foto © Gilles Vallerian

ALPINE und RENAULT siegreich in der Wüste

Die Marokko Rallye war fester Bestandteil der Rallye- Weltmeisterschaft in 1973, 1975 & 1976. An 4 Tagen galt es eine Distanz von annähernd 4.000km zu bewältigen, davon 11 Sonderprüfungen auf Schotter mit einer Gesamtlänge von 1.240km.

ALPINE brachte zwei Berlinetten vom Typ A110 1800, speziell präpariert für die Strapazen in der Wüste an den Start. Das Fahrzeug mit dem Kennzeichen 2004HS76 trug die Start Nr. 1 und wurde pilotiert von Bernard Darniche. Das später siegreiche Fahrzeug mit der Start Nr. 3, erkennbar am Kennzeichen 2005HS76 steuerte Jean Pierre Nicolas mit Beisitzer Christian Delferrier.
RENAULT mit zwei R17 war ebenfalls mit von der Partie, welche von Jean Luc Therier und Jean-François Piot gesteuert wurden.



Die berüchtigte "Transmaroccaine"

Die "MAROC" war eine legendäre und unvergleichliche Rallye - nur eine "SAFARI" stellte ähnliche Herausforderungen an die Fahrer, Material und Logistik. Sonderprüfungen mit extremer Länge waren charakteristisch für die Marokko Rallye. Die berüchtigte "Transmaroccaine" erstreckte sich gar über mehr als 600 km und machte zwei Tankstopps erforderlich. Die Strecke war materialmordend - unbefestigte Feldwege, knochentrockene Schotterpisten, Fluss- und endlose Wüstenquerungen verlangten fast schon übermenschliche Fähigkeiten von Teilnehmern und deren Fahrzeugen.

Foto © Editions Mauriche Louche

Spezialausrüstung erforderlich

Speziell für die Marokko Rallye 1974 entwickelte der Reifenhersteller MICHELIN neue Schotterreifen vom Typ RC1. CB-Funk an Bord war obligatorisch sowie eine Panzerung des Unterbodens mit Protektoren aus Stahl, Aluminium und Fiberglas. Eine der beiden Werksalpines, die von Bernard Darniche schied schon während der ersten Sonderprüfung mit Getriebeschaden aus. Nachdem das Team Piot / de Alexandris auf R17 zeitweise die Führung inne hatte, mussten auch diese Ihren R17 vorzeitig mit Aufhängungsproblemen abstellen.



Etappe der Wahrheit

3. Sonderprüfung – 880km

Nach nahezu 4 Tagen durch die Wüste auf materialmordenden Eselspfaden, erreicht das Team Nicolas / Delferrier die kleine Stadt Tansikht, welche gleichzeitig den nächsten Startpunkt zur 260km langen Etappen nach Rissani darstellen sollte. Schon früh um 2 Uhr des Nachts sollte es weiter gehen Richtung Marrakesch – zuvor jedoch galt es den 2.260m hohen „Col du Tischka“ zu überwinden. Die Luft war kalt und wurde mit zunehmender Höhe immer dünner. Über Bordfunk klagte Nicolas schon bald über nachlassende Motorleistung, zudem machte ihm die stetig steigende Wassertemperatur Sorgen. Seine Mechaniker verstanden die Welt nicht mehr, war doch Tags zuvor in Tata noch alles in bester Ordnung. Als er am Service Point angekommen war, leuchtet die Warnleuchte der Wassertemperatur glutrot und das Jaeger Instrument signalisierte 130°C Wassertemperatur.

Die Mechaniker waren ratlos, zeigte doch der Zylinderkopf keinerlei Anzeichen von Überhitzung.

Nicolas wurde aller Warnungen zum Trotz zurück auf die Piste geschickt. Schon bald gab er über Funk die erlösende Entwarnung: “... macht euch keine Sorgen, die Wassertemperaturanzeige spinnt“.

Jean Pierre Nicolas war bestens vorbereitet und profitierte von seinen Erfahrungen, welche er bei der East African Safari Rallye 1973 gesammelt hatte. Er sollte die Marokko Rallye 1974 mit 22 Minuten Vorsprung vor seinem Teammitglied Thérier auf R17 gewinnen. Alpine und Renault belegten am Ende der Rallye die ersten fünf Plätze der Gesamtwertung. Erwähnen sollte man jedoch der Korrektheit halber, dass eine Kombination verschiedener Umstände das Fernbleiben einiger prestigeträchtiger Hersteller zur Folge hatte. Alpine-Renault hatte daher bei diesem Sieg mehr oder weniger leichtes Spiel.

Fotos © Coco Prie
Fotos © Le Tahitien
Foto © Le Tahitien

In der Wettbewerbsabteilung „Service Courses“ wurden die Werkswagen für den harten Rallyeeinsatz präpariert. Im Vordergrund von links nach rechts die 2004HS76 & 2005HS76 während Servicearbeiten vor der Marokko Rallye 1974.

Foto © Editions Mauriche Louche
Foto © Gilles Vallerian
Foto © Christian Descombes

HISTORY

East African Safari Rallye 1975
27.03.1975 – 21.03.1975


Fotos © McKlein

Königin der Rallyes

Die Permiere der East African Safari Rallye fand 1953 zu Ehren der Krönung von Königin Elisabeth II statt und führt vornehmlich durch Ostafrika. Die Startorte waren variabel, mal wurde in Kampala / Uganda gestartet, mal in Tansanias Hauptstadt Daressalam - die Distanz betrug meist bis zu 6.000km. In Kenia und den angrenzenden Ländern war die Safari stets ein Event von nationaler Bedeutung und belegte in den Tageszeitungen die Titelseiten, selbst die Politik trat in den Hintergrund.

Namhafte Hersteller wie Lancia, Peugeot, Datsun, Mitsubishi, Porsche und auch Alpine-Renault traten 1975 an, um Sieg bei der prestigeträchtigen Safari zu erringen. Ein Sieg bei der Safari erzielte zum damaligen Zeitpunkt ein Maximum an weltweiter Werbewirkung und stand deshalb ganz oben auf der Wunschliste namhafter Automobilhersteller.

Nachdem Alpine-Renault im Jahr zuvor den Titel des Rallye Weltmeisters gewinnen konnte, waren sie in 1975 nicht auf die Sammlung von Weltmeisterschaftspunkten aus. Ihr Focus lag auf der Teilnahme an prestigeträchtigen Events wie dem der Safari Rallye, welche die größtmögliche Publicity für die Marke bringen sollte.

Ruhe vor dem Sturm

Nairobi, Konferenz Zentrum, Donnerstag Nachmittag 16.00 Uhr – 79 Fahrzeuge präsentieren sich unter der Flagge des Starters der ungeduldig wartenden Menge.
Geradezu entspannt und beschaulich wirkte die Atmosphäre am Vorstart und kaum einer ahnte, welches Debakel Renault als auch ALPINE während dieser Rallye erleben sollte. Angereist mit zwei Werksalpines vom Typ A110 1800 sowie zwei R17, schaffte es kein Fahrzeug des französischen Herstellers bis ins Ziel. Jean Luc Thérier / Michel Vial – so lautete die Besetzung für die ehemals bei der Marokko Rallye 1974 siegreiche A110 1800 mit dem Kennzeichen 2005HS76.

Unvergessen waren zudem noch die Erfahrungen aus dem letzten Jahr, als Nicolas während des Trainings in Afrika einen VW Bus rammte, sich nicht unerheblich verletzte und seine Berlinette komplett zerstörte. Nicolas war fortan nicht mehr in der Lage, eine solch schwere Rallye durchzustehen und Jaques Cheinisse hielt Ausschau nach einem „local driver“. Er fand selbigen in dem jungen Robert Combes, welcher mit Beisitzer Gerry Davies die zweite Werksalpine mit dem Kennzeichen 2004HS76 pilotieren sollte.

Es sei schon vorweg genommen – beide Alpine Werkswagen werden die Herausforderung „Safari Rallye“ nicht bestehen und scheiden vorzeitig aus. Selbst der als Sieganwärter gehandelte Peugeot 504 von Hannu Mikkola/Jean Todt – hier neben der Berlinette von Thérier / Vial stehend – verunfallte schwer und schied vorzeitig aus.

Nach dem Ausfall beider Berlinetten schien Jean Francois Piot auf R17 aussichtsreich im Rennen liegend die Kohlen noch aus dem Feuer holen zu wollen, doch auch er verlor seinen 4. Gesamtrang nur wenige Stunden vor Rennende.

Robert Combes und Gerry Davies pflügen mit der zweiten Werksalpine 2004HS76 durch einen Flusslauf. Massive Frontprotektoren aus Stahl und Unterfahrschutz aus Fiberglas und Aluminium sollten deren Berlinette vor allzu größeren Beschädigungen schützen. In der Nähe von Kitui jedoch, traf Combes mit voller Wucht einen Baumstumpf und aller Protektoren zum Trotz beschädigte er sich den vorderen Achsschenkel schwer. Er verlor 50 Minuten bis Kitui und weitere 56 Minuten bis zum Service Point Kibwesi, wo der Schaden repariert wurde.
Das entgültige Aus kam jedoch schon kurz nach Mombasa – wie schon bei Thérier brachte der feine Sand auch die Berlinette von Combes zur Strecke. In seinem Fall quittierte aufgrund Sandeintritt die Kupplung ihren Dienst.
Am Ende der Rallye erreichten lediglich 17 der 79 gestarteten Fahrzeuge das Ziel.

„Safari“ Spezifikationen

Zur speziellen Ausrüstungen einer für die „Safari“ werkseitig präparierten Berlinette gehörten u.a. das markante Trittbrett am Heck des Fahrzeuges nebst Haltegriffen auf dem Rücken der hinteren Kotflügeln. Auf schlammigem Terrain hatte so der Beifahrer die Möglichkeit, durch Aufspringen auf das Trittbrett mehr Gewicht auf die Hinterachse zu bringen und für bessere Traktion der Hinterräder zu sorgen. Gut erkennbar auch der speziell montierte Luftfilter im linken hinteren Kotflügel, welcher unter anderem zuließ, die Ansaugluft gegebenenfalls auch aus dem Innenraum der Fahrgastzelle zu beziehen.

Foto © McKlein
Foto © McKlein
Typisch für die Safari Einsatzfahrzeuge war der obligatorische Suchscheinwerfer, welcher zwingend an jedem Fahrzeug montiert sein musste. Die auf dem Dach montierte Antenne gibt Zeugnis über die an Bord befindliche CB-Funk Ausrüstung, welche unerlässlich war, wollte man nicht in der Savanne Afrika`s verloren gehen.
Neben den beiden Werksalpines tummelten sich noch weitere französische Flundern im Starterfeld. Das ebenfalls französische Team Bob Neyret / Jaques Terramorsi brachten ihre ex-Werksalpine ebenso an den Start wie Willem van Dyk seine private A110. Letztendlich bleibt noch der Privatfahrer und „Wildlife Scupltor“ Robert „Rob“ Glen zu erwähnen, der seine neu erworbene, vom Werk speziell für die Safari präparierte A110 1800 erstmalig bei der Safari an den Start brachte.
Foto © McKlein
Aus heutiger Sicht undenkbar und kaum zu glauben - in kurzen Hosen, offenem Hemd und legerem Schuhwerk sprintet Michel Vial unter den Augen von zahlreichen Schaulustigen, soeben seinem Einsatzwagen entstiegen, zur Zeitkontrolle an einem Checkpoint.
Foto © Editions Mauriche Louche

rien ne va plus

Jean Luc Thérier hetzt seine Werksberlinette ungeachtet der zahlreich am Rande der Piste stehenden Einheimischen über sandiges und staubiges Terrain. Wasser und Öltemperatur bewegen sich im normalen Bereich und es bestand kein Grund zur Besorgnis. Jedoch, sie bewegen sich auf der staubigsten Sektion der gesamten Rallye und still und leise kündigte sich Ungemach an. Die Maschine atmet staubig-rote Erde, kommt ins Stottern, Leistungsabfall ... , rien ne va plus!

Trotz speziellem Luftfilterkasten verschaffte sich diese heimtückische Substanz Zugang in ihr Antriebsaggregat, was den Ausfall des Teams Thérier / Vial zur Folge hatte.

HISTORY

second life in finland

Im Januar 1977 fand die ehemalige 2005HS76 ihren neuen Besitzer in Finnland. Timo Makela erwarb die ehemalige Werksalpine mit diversen Ersatzteilen. Die Strapazen der durchlittenen Marokko oder Safari Rallye waren ihr kaum anzusehen. Was fortan in Finnland auf diese geschichtsträchtige Werksalpine wartete, stellte selbst die harten Anforderungen eines Werkseinsatzes weit in den Schatten.




Metamorphose

Unter den Händen ihrer nachfolgenden Besitzer im hohen Norden, wurde die ex 2005HS76 kompromisslos für Rally Cross oder Eisrennen modifiziert. Anfänglich nur moderat verändert, war sie am Ende ihrer Leidenszeit kaum mehr wieder zu erkennen.
Vielen Dank an Jukka Suvisalmi für seine Hilfe und Unterstützung bei der Aufklärung der Fahrzeughistorie Finnland.

SAR

search & rescue

Adieu France

Unwesentlich mehr als eine Hand voll Werksalpines mit Werks-Rallye-Geschichte verließen Mitte der siebziger Jahre ihr Heimatland Frankreich, nachdem sie auf den Rallyepisten nicht mehr konkurrenzfähig waren.
Privatfahrer verschiedener Nationalität und Herkunft nutzten Mitte der 70er Jahre die ausrangierten Berlinetten der "Equipe Trikolore" für Ihre Zwecke. Ob auf Rallye's, Bergrennen, Rundstrecke, Autocross oder gar Eisrennen - es wurde kaum ein Einsatzzweck ausgelassen, um den Fahrzeugen nach hartem Werks-Rallyeeinsatz den Rest zu geben. Das Schicksal dieser Fahrzeuge war vielfältig, oft jedoch endete es in einer wahren Metamorphose der Fahrzeuge und nur wenige überdauerten die folgenden Jahre in originalem Erhaltungszustand.
Ehemalige Werksalpines mit signifikanter Historie fanden ihren Weg zu neuen Eigentümern rund um den Globus. Ob nach Österreich, der Schweiz, nach England oder hinter den eisernen Vorhang nach Ungarn und Bulgarien, aber auch über den großen Teich nach USA oder Canada - weit versprengt lagen die letzten Ziele einiger weniger Werksalpines, selten jedoch wurde mehr als ein Exemplar in dasselbe Land verkauft.
Finnland schließlich, stellte die finale Destination des ehemaligen Siegerwagen's der Marokko Rallye 1974 dar, damals pilotiert von Nicolas / Delferrier. Sie trug das französische Kennzeichen 2005HS76 und wurde ein Jahr später in 1975 vom Werk für die schwere East African Safari Rallye präpariert, bei welcher das Team Thérier / Vial ihre Berlinette jedoch vorzeitig mit Motorschaden abstellen musste.

Die Strapazen einer Safari Rallye waren allenfalls ein Klacks, verglichen mit dem, was das Fahrzeug nun nach dessen Verkauf in 1976 nach Finnland erwarten sollte. Fortan wurde diese geschichtsträchtige A110 1800 bei Autocross und Eisrennen eingesetzt, was mit erheblichen Modifikationen des Fahrzeuges einherging. Den Gnadenstoß versetzte dem Fahrzeug ein uns noch unbekannter, aller Wahrscheinlichkeit nach der letztmalige Besitzer in den 1980er Jahren. Das Fahrzeug wurde vollständig modifiziert - das Chassis samt Motor, Getriebe und Fahrwerk entfernt und anschließend sämtlicher Anbauteile beraubt.



lost and found

Dieses "kit car" fand schließlich seinen Weg nach Deutschland, als wir erstmalig in Kontakt mit dieser Berlinette kamen. Da wir jedoch bereits ein Projekt in Arbeit hatten, nahmen wir Abstand vom Kauf bzw. der Restauration dieser zwar interessanten, aber auch extrem aufwändigen Wiederherstellung des Fahrzeuges. Das Fahrzeug wurde zu diesem Zeitpunkt mehrfach zum Kauf angeboten und wanderte damals wohl auch durch die Hände mehrerer Besitzer, bevor wir es im Sommer 2014 durch einen glücklichen Zufall wiedergefunden haben. Das Fahrzeug präsentierte sich nach wie vor unverändert - niemand hatte die Wiederherstellung des Fahrzeuges in Angriff genommen. Nahezu 10 Jahre nach unserem ersten Zusammentreffen waren nun vergangen - viel Zeit, während dessen sich die Einstellung, unsere Einschätzung und auch der Stellenwert zur Restauration eines solchen Projekts merklich verändert haben. Der Entschluss zum sofortigen Erwerb der Restsubstanz der 2005HS76 war schnell getroffen und nur noch reine Formsache.

Zugegeben - nur wenig blieb von der Originalsubstanz erhalten, nachdem wir selbige vom finnischen "Bastelkit" separiert hatten. Jedoch, es sind Bauteile und Merkmale vom Originalfahrzeug vorhanden, welche dessen Herkunft zweifelsfrei dokumentieren und eine Wiederherstellung des Fahrzeuges rechtfertigen. Nach der Entfernung allerhand Spachtelmasse und Glasfaser-Matten kam die Originalsubstanz zum Vorschein. Rote und hellblaue Farbreste zeugten von der ehemaligen Werkslackierung und sogar die Bohrung für die vormals montierte Antenne in der Mitte des Daches war noch sichtbar. Wesentlich eindeutiger hingegen die Zeichensprache an den Türscharnieren - die eingeschlagene Karosserienummer 6711 identifizierten das Fahrzeug zweifelsfrei als "voiture usine", dem siegreichen Fahrzeug bei der "Rallye du Maroc 1974".

Restauration

blood, sweat & tears



Die originalgetreue Wiederherstellung eines ehemaligen Rallye-Werkswagens stellt in jeglicher Hinsicht eine aufwändige, zeitraubende und dazu auch noch kostspielige Angelegenheit dar. Viele abhanden gekommenen und rare Originalteile gilt es wieder zu beschaffen, welche dann, so man sie gefunden hat, meist mühsam an das Fahrzeug angepasst werden müssen. Auf Anhieb und ohne Nacharbeit passt zumeist keines der Teile und so summieren sich schnell hunderte Stunden an Adaptionsarbeit, ohne dass ein wesentlicher Fortschritt sichtbar ist.
Nun, wir restaurieren eben einen in Kleinserie handgemachten, französischen Sportwagen und keinen der am Reißbrett konstruierten Stuttgarter Prestigevehikel, bei welchen bestimmt viele Stunden Adaptionsarbeit während einer Restauration entfallen. So jedenfalls unsere Vorstelllungen in Anbetracht der nicht enden wollenden Adaptionsarbeiten.

Ein wichtiger Meilenstein stellt dann die Lackierung der Karosserie nebst allen Anbauteilen dar. In diesem Stadium der Restauration sind die meisten, Pflichtaufgaben bereits abgearbeitet, d.h. alle Anbauteile sind angepasst und wurden am Fahrzeug bereits mindestens einmal verbaut, um später nach der Lackierung deren Passgenauigkeit zu gewährleisten.

Nachdem das Fahrzeug wieder komplett gestrippt wurde, wähnen wir die oft nervigen und zeitraubenden Anpassungsarbeiten hinter uns und wenden uns hoffnungsvoll angenehmeren Aufgaben zu, bei welchen ein Fortschritt schneller sichtbar sein sollte – der Lackierung.

Jedoch auch dort lauern allerhand versteckte Fallstricke und zeitfressende Feinarbeiten welche es zu beachten gilt, will man ein qualitativ hochwertiges Ergebnis erzielen. Spaltmaße schreien nach Nacharbeit, rund geschliffene Ecken und Kanten sowie verloren gegangene Lichtkanten nach Wiederherstellung. Wie einfach muss sich wohl der Austausch einer Porsche 911 Tür oder Fronthaube gestalten, im Vergleich dies bei eine Alpine A110 zu bewerkstelligen? Schnell summieren sich auch hier die Stunden für Vorarbeiten, bis dann nachfolgend mit der endgültigen Lackierung begonnen werden kann.

Jedoch nun genug des Wehklagens, schließlich wollten wir es ja nicht anders und in Anbetracht des nun fertig lackierten Fahrzeuges gibt es am Ende dann doch noch Grund zur Freude und Zufriedenheit.

Letztlich konnten wir die originalgetreue Werkslackierung fertigstellen und nach all den Pflichtaufgaben wartet nun die Kür der Restauration auf uns. Die weiße Handschuhe liegen bereit und so auch die unzähligen Anbauteile, welche darauf warten, nun endgültig Ihren Platz am Fahrzeug einzunehmen und dort zu verbleiben.

Über den weiteren Fortgang der Restaurationsarbeiten werden wir zu gegebener Zeit berichten.

back on track

Sag niemals nie

Als sich in 2005 erstmals unsere Wege kreuzten blieb es lediglich bei einem flüchtigen Tête-à-Tête. Ihr Erscheinungsbild war erbärmlich, unattraktiv, gar a bstoßend und Ihre Seele schien längst ins Nirvana eingegangen. Zu viele Voyeure hatten Hand an sie gelegt, sie misshandelt, gefoltert und irreversible Spuren hinterlassen. Ja, sie war mehr als uninteressant ob ihrer Leidensgeschichte und niemand wollte sich ihrer annehmen. Auch wir wollten uns ihrer zum damaligen Zeitpunkt nicht erbarmen und wandten uns ab von ihr. Eine nachhaltige Liaison mit dieser vormals attraktiven und geschichtsträchtigen Dame erschien und zu komplex, arbeitsintensiv und nervenaufreibend.

In den Folgejahren durch viele Hände gereicht, sollte in 2014 ein glücklicher Zufall diese Berlinette wieder in unseren Focus rücken. Von Finnland nach Deutschland, über Frankreich wieder zurück nach Deutschland, entdeckten wir sie bei der Suche nach Zubehörteilen bei einem markenfremden Oldtimerhändler, nur zwei Autostunden von uns entfernt.

Zwischenzeitlich durften mehrere Besitzer sie ihr Eigen nennen, sie war jedoch noch nimmer unverändert und niemand hatte auch nur eine Schraube an ihr gedreht.
Was für ein unglaublicher Zufall, diese Berlinette durch ein solches Zusammentreffen wiederzusehen – doch haben wir sie wirklich wiedergefunden?
Wohl kaum – schließlich hatten wir nicht nach ihr gesucht. So kam sie zu uns wie die Mutter zum Kind und wir beschlossen spontan, uns ihrer anzunehmen.





„roll out“ mit Hindernissen

Den ersten „roll out“ gleich mit einem PETROLICIOUS Fotoshooting zu verbinden, erwies sich nicht als die klügste Idee. Trotz sorgfältigster Vorbereitung gab es kleinere technische Probleme während des shootings, welche an Ort und Stelle behoben werden mussten. So entstanden auch Schnappschüsse, welche zwar nicht gewollt, jedoch repräsentativ und authentisch die Herausforderungen und Belastbarkeit eines Berlinette Besitzers wiederspiegeln.


Aristoteles hatte Recht

„Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“, das wusste schon Aristoteles zu berichten. Auch wir sollten während der Zeit der Restauration diese ab und an doch sehr leidvolle Erfahrung zur Kenntnis nehmen. Kaum zu glauben aus wie vielen Teilen ein Fahrzeug besteht, bevor man es nicht selbst und eigenhändigt zu einem funktionierenden und ansehnlichen Gesamtbild zusammengefügt hat. Nachdem wir mit viel Elan und Begeisterung ans Werk gingen, wurde unsere Motivation als auch unsere Belastbarkeit einige Male hart auf die Probe gestellt.

one man standing

Ja, sie hat es mir nicht leicht gemacht. Oft habe ich während meiner Arbeit an die Werksmechaniker gedacht, die diese Arbeit tagtäglich zu verrichten hatten um ihr täglich Brot zu verdienen. Nicht immer war es Spaß oder Vergnügen an ihr zu arbeiten – im Gegenteil. Über all den Unzulänglichkeiten einer Berlinette und all den mühevollen Anpassungsarbeiten tritt die Leidenschaft gar viel zu schnell in den Hintergrund. Die anfängliche Begeisterung weicht allzu schnell, Frustration und Ärger machen sich breit. Ein jeder welcher sich einer solchen Wiederherstellung angenommen hat, weiß ein Lied der Herausforderungen darüber zu singen, welche es zu bewältigen gilt. Zugegeben – eine Vollrestauration innerhalb 2,5 Jahren in Alleinarbeit zu realisieren fordert eben ihren Tribut. Jedoch, man muss das Eisen schmieden solange es heiß ist. Gesagt - getan!





Bilderbuch

A110 1800 Gr. IV works "Marokko Rallye 1974" im Detail

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