HISTORY

Rallye Solitude 1966
Lyon-Charbonnières-Stuttgart

Foto © Editions Maurice Louche

Eigentümer und Fahrer dieser A110 1100 „Tour de France“ war der Schweizer André Wicky aus der Nähe von Lausanne, welcher ab den späten 1950er Jahren bis in die späten 1970er Jahre im Motorsport aktiv war. Er unterhielt schon früh sein eigenes Rennteam - das Wicky Racing Team – und pilotierte in den frühen 70er Jahren unter anderem Sportwagen vom Schlage eines Porsche 908. Mit seinem Beisitzer Claude Haldi, seines Zeichens ebenfalls eine bekannte Größe im internationalen Motorsport bestritt er die Rallye Lyon-Charbonnières-Stuttgart -Solitude 1966. Er orderte in 1965 diese spezielle Berlinette A110 1100 „Tour de France“ mit allen damals verfügbaren Rennsportoptionen.

Das Fahrzeug verfügte ab Werk über folgende Ausstattungsmerkmale:

  • Extra leichte Karosserie
  • Frontkühlung
  • Sportsitze
  • 2 Benzintanks
  • heizbare Frontscheibe
  • Hinterachsfederung Typ „Mille Miles“
  • Scheiben aus Plexiglas
  • Ausstattungspaket „equippement hautes performance“


Wicky orderte das Fahrzeug ohne Antriebsaggregat, da er freundschaftliche Kontakte zu Motoren-Tuner Bernard Collomb in Nizza pflegte. Wir haben daher Grund zur Annahme, dass er sich Vorteile davon versprach, sich dort einen leistungsstarken Gordini Motor aufbauen zu lassen.

Die "Rallye Lyon-Charbonnières-Stuttgart-Solitude" hatte Kult-Status, bekam das Prädikat "Deutschland-Rallye" und zählte zur Europameisterschaft. Ihr wesentliches Merkmal waren die Sonderprüfungen auf dem Solitudering. 1966 stieg auch der Automobil Club der Schweiz als Veranstalter der Solitude-Charbonnières mit ein. Sie zählte nun in Frankreich, Deutschland und in der Schweiz als nationaler Meisterschaftslauf und galt bei den Fahrern bereits als die kleine Rallye Monte Carlo.

In den Alpen bei Schnee und Eis waren drei Sonderprüfungen zu absolvieren. Hier spielten die leichten Alpine-Werkswagen ihre Trümpfe aus und setzten sich souverän vom Feld ab. 1966 sah der Solitudering erstmals eine Alpine A110 Berlinette vorne - es sollten fünf weitere Gesamtsiege folgen. Sieger wurden Jean-Pierre Hanrioud / Jean-Claude Peray auf Alpine A 110 1100 vor ihren Markenkollegen Vinatier / Hoffmann ebenfalls auf A110 1100 „Tour de France“. Das Team André Wicky / Claude Haldi belegten in der Gesamtwertung Ihrer Klasse bis 1300ccm den respektablen 5. Rang.

Foto © Editions Maurice Louche
Foto © Editions Maurice Louche
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HISTORY

RALLYE DU MONT-BLANC 1966

Foto © Editions Maurice Louche
Foto © Editions Maurice Louche
Foto © Editions Maurice Louche

SAR

swiss heritage

Es grenzt schon fast an ein Wunder, eine ehemalige Wettbewerbs-Berlinette aus dem Jahre 1965 zu finden, welche nahezu 40 Jahre im Dornrößchenschlaf lag und lediglich ca. 45.000km Laufleistung aufweist. Solche Geschichten kann es scheinbar nur in der Schweiz geben, wo Kulturgut mit Bedacht bewahrt und eben diese Berlinette bereits in 1973 stillgelegt und gut behütet wurde. Unscheinbar und unspektakulär mag sie erscheinen, im Vergleich zu einer brachialen 1800er Werksalpine – sicher jedoch stellt Sie das am schwierigsten zu findende Modell der A110 Palette dar. Maximal ein Dutzend ihrer Art mit diesen speziellen Ausstattungsmerkmalen wurden für den Rallyeeinsatz hergestellt – nur ein paar wenige haben die langen Jahre bis heute unbeschadet und unverbastelt überdauert.

Dieser Testbericht porträtiert die A110 1100 „Tour de France“ des ehemaligen Rennleiters von Alpine Renault Jaques Cheinisse, welcher selbst in den frühen Jahren als Werkspilot ins Volant dieser Berlinette griff.

Restauration

blood, sweat & tears

Obwohl diese Berlinette bereits im Jahre 1973 stillgelegt wurde, hatten die wenige Jahre Rallyeeinsatz trotzdem deutliche Spuren hinterlassen, welche eine umfangreiche Restauration erforderlich machten. Die superleichte Außenhaut war an vielen Stellen gerissen, gebrochen, deformiert oder gar unfachmännisch repariert worden. Die leicht modifizierten Kotflügel wurden wieder dem originalen Auslieferungszustand angepasst, die Front auf zwei Hauptscheinwerfer zurück gerüstet.

Einen kleinen Überblick der Restaurationsarbeiten vermittelt nachstehende Collage.



Back On Track

Die klassische Berlinette A110 1100 „Tour de France“, wie sie Jean Rédélé in den frühen Jahren erschuf. Immer mehr Liebhaber der Marke werden auf diese frühe Version aufmerksam und finden Gefallen an der schlichten aber zeitlosen und eleganten Form.

Eine reichhaltige Instrumentierung war bereits in 1965 fester Bestandteil der Wettbewerbswagen.

Der neu revidierte und leistungsstarke Gordini Motor mit 1296ccm hat wenig Mühe, das leichte Coupè zu famosen Fahrleistungen anzutreiben.

Die Zusatzbeleuchtung der Marke S.E.V. MARCHAL konnte direkt ab Werk geordert werden. Damals ein nützliches Accessoire für den Rallyeeinsatz - heute schön anzuschauende Stilelemente.

Enge Radhäuser und schmale Pneus auf auf 15“ Stahlfelgen verleihen den Berlinetten der frühen Produktionsjahre ein harmonisches und elegantes Erscheinungsbild.

Ein völlig neues Fahrgefühlt offenbart sich dem Fahrer am Volant einer A110 1100 „Tour de France“. Das übergroße SPEEDWELL-Lenkrad ragt ins Sichtfeld des Fahrers, was im ersten Moment als störend empfunden wird. Jedoch, schon nach den ersten durchfahrenen Kurven beginnt man es zu lieben. Federleicht und mit geringstem Kraftaufwand lässt sie sich präzise um die Ecken zirkeln. Fahrfreude pur – magnifique!




Bilderbuch

A110 1100 „Tour de France“ 1965 im Detail

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