HISTORY

Rallye Weltmeisterschaft 1973



Quelle: Renault Revue 1973

Erstmalig in 1973 wurde insbesondere auf Druck von Fiat und Alpine Renault von der FIA eine Rallye Weltmeisterschaft ins Leben gerufen. Insgesamt 13 Prüfungen galt es zu bewältigen, wovon Alpine Renault lediglich 10 mit Ihren Berlinetten beschickte. Bernard Darniche, Jean-Luc Thérier sowie Jean Pierre Nicolas waren die Hauptakteure am Volant für Alpine. Unterstützt wurden diese auf heimischen Terrain von Jean Francois Piot, Jean Claude Andruet sowie Ove Andersson. Beginnen sollte das Spektakel im Januar mit der Rallye Monte Carlo, gefolgt von der Schweden, East African Safari, Akropolis, österreichische Alpenfahrt sowie der RAC Rallye in Großbritannien, um nur einige zu nennen.

„Die blauen Reiter“

Insgesamt 17 Werksfahrzeuge wurden von Alpine Renault im Jahre 1973 präpariert und auf die Piste geschickt, um die erste Rallye Weltmeisterschaft der Konstrukteure zu gewinnen.

Das Fahrzeug mit dem damaligen französischen Kennzeichen 9846HL76 war eines dieser 17 Fahrzeuge, mit welchem Jean-Luc Therier und Jean-Pierre Nicolas um die Krone der Rallye Weltmeisterschaft kämpften.

Am Ende werden die Bemühungen von Alpine Renault von Erfolg gekrönt und die „blauen Reiter“ holen die Rallye Krone mit deutlichem Abstand zur Konkurrenz nach Frankreich.

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Polen Rallye 1973

 
Foto © Lukasz Nytko

Eines der 17 Fahrzeuge, welche Alpine Renault für die Rallye WM 1973 präparierte, trägt die Registration 9846HL76 und sollte bei der 7. Prüfung der laufenden Rallye WM – der Polen Rallye - erstmalig zum Einsatz kommen. Im neu entworfenen trikolore Dekor sollte die die Berlinette ab jetzt in hellblau mit allerlei Farb-Applikationen auf den Rallyepisten glänzen. Jean Luc Thérier und Alain Mahé machten sich auf zur „Jungfernfahrt“ der 9846HL76, nicht ahnend sich an einer der härtesten Rallyes zu beteiligen, die Europa damals seit langem gesehen hatte.

Foto © Grzegorz Chyla
Foto © Lukasz Nytko
Die Polen Rallye war zu viel des Schlechten – sie ging durch Ihre chaotische Organisation und ihre grausame Rallye Route in die Geschichte dieser Rallye WM ein.
Foto © András Fekete
Auf dem Weg zur Arbeit - Alain Mahé, Jacques Cheinisse und Jean Luc Thérier

Foto © Patrick Landon
Jean Luc Theriér dominierte die Saison 1973 und fuhr die Hälfte aller Alpine Siege ein. Mit begnadetem Talent und meist ohne Training dominierte er die Konkurrenz mit seinem spektakulärem Fahrstil auf jeglichem Terrain.
Foto © András Fekete
Die Polen Rallye erreichte rückblickend fast das Schreckensformat der East African Safari Rallye, so kamen von den 62 gestarteten Teams lediglich 3 ins Ziel.

Rallyeexperte Phillips meinte danach:
„You cant make a Safari here, Poland is not Africa“.


Foto © Robert Szombati
Hinter Warmbold lag Thérier lange auf dem zweiten Platz, bis Mahé auf der 50. Wertungsprüfung aufgrund Übermüdung den Start eine Sonderprüfung verwechselte. Theriér ließ sich jedoch nicht aus dem Konzept bringen und gab seiner Berlinette auf den letzten 6 Sonderprüfungen die Sporen. Mit über 30 Minuten Vorsprung vor Warmbold am Ziel angekommen, wartete jedoch leider nur die Disqualifikation auf das Team Theriér / Mahé.

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Österreichische Alpenfahrt 1973

Lediglich 2 Werks-Berlinetten wurden in das Alpenland entsandt – Theriér bat um eine Auszeit und wollte zur gleichen Zeit die Tour de France im eigenen Land bestreiten.

Jean Pierre Nicolas erhielt im Alter von 23 Jahren einen Vertrag als Werksfahrer bei Alpine Renault. Fortan war er einer der „drei Musketiere“, welche Alpine Renault zum Sieg in der Rallye WM 1973 verhelfen sollte. Nach einem 2. Platz bei der TAP Rallye in Portugal, konnte er die legendäre Tour der Corse 1973 für sich entscheiden. Nach den Tortouren der Polen Rallye wurde die 9846HL76 einem umfassenden technischen Service unterzogen. Sie erhielt den neu revidierten Motor Mignotet No. MS 19, welcher bereits bei der Rallye Monte Carlo und der Rallye TAP in einem Schwesterfahrzeug seinen Dienst verrichtete. Zudem bekam Sie einen speziellen Luftfilter, um die Ansaugluft aus dem Fahrzeuginneren dem Antriebsaggregat zuzuführen. Ein leichter Unterfahrschutz der Akropolis Rallye war ebenfalls Bestandteil der Revision.

Nach allerlei Querelen und Protesten um die Blockadeaktion von Alpine-Rennleiter Jaques Cheinisse, pilotierte Jean Pierre Nicolas die 9846Hl76 auf den 5. Gesamtrang. Bernard Darniche gelang der Sieg auf seiner Werksalpine nach atemberaubendem Finish mit lächerlichen 1,1 Sekunden auf den zuvor weit in Führung gelegenen Saab von Per Eklund.

AUTOSPORT titelt: “Alpine dominate the world scene“ und die 9846HL76 erscheint auf der Titelseite.
So nahmen Bernard Darniche / Alain Mahé in der 6996HM76 diese Rallye in Angriff – ihre 1800er trug die Startnummer 2. Die 9846HL76 mit der Startnummer 11 wurden von Jan Pierre Nicolas und seinem Beisitzer Michel Vial übernommen.
Foto © Rallye Racing Magazine
2300km und 31 Sonderprüfungen waren zu bewältigen, davon nur eine auf Asphalt. Nicolas / Vial in vollem Drift – sie bringen Ihre Berlinette unbeschadet ins Ziel.

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RAC Rallye 1973

Nachdem die 9846HL76 Anfang Oktober 1973 auf dem Pariser Autosalon ausgestellt wurde, entsandte sie Jacques Cheinisse zusammen mit der 2462HN76 in das beschauliche Städtchen York nach Großbritannien zur Teilnahme an der RAC Rallye.

Aus Sicht von J.-L. Thérier ist die Geschichte der RAC schnell erzählt. Mit gebrochenem Verteilerantrieb musste Thérier seine Berlinette aussichtsreich im Rennen liegend vorzeitig abstellen. Nicolas sollte am Ende dieser Rallye mit der 2462HN76 den 5. Gesamtrang belegen.





Foto © LAT
Jean Pierre Nicolas / Claude Roure bekamen die 1800er Gr. IV mit dem Kennzeichen 2462HN76 zugeteilt. Das Team J.-L. Thérier /Michel Vial sollten wieder in der 9846HL76 Platz nehmen.

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second life in Hungary

Foto © István Falus
Foto © András Fekete

evil frog

Patrick Landon – verantwortlich bei Renault für die Ostblockländer, verkaufte die 9846HL76 am 26. März 1974 nach Ungarn. Dort begann für die 9846HL76 ihr zweites Leben und sie blieb eine der ganz wenigen Werkswagen, welche Frankreich seiner Zeit verließen. Fortan trug sie unter dem neuen Eigentümer „Team VOLAN“- einem großen ungarischen Transportunternehmen - das Kennzeichen AU-7683. Eine feste Größe im Rallyesport des Ostblocks sollte mit ihr noch viele Siege einfahren – Attila Ferjáncz. Bereits auf Renault 8 Gordini wurde er ungarischer Rallye Champion 1968 + 1969.

Foto © András Fekete
Im April 1974 zwängte sich Attila Ferjáncz erstmalig in das enge Cockpit der jetzigen AU-7683.
Foto © András Fekete
Probleme mit der Elektrik sowie einem defekten Anlasser machten bei der Rallye Elba 1974 einen Serviceeinsatz bei Berti Dino nötig. Am Ende kam das Team Ferjáncz – Zsembery bei Ihrem Debüt auf einen respektablen 14. Gesamtrang.
Foto © Nikolay Krazalev
Rallye Zlatni 1975 (BG) „ausverkauft“ – die Zuschauerplätze waren bis auf den letzten Platz besetzt.

Metamorphose

In den späten Siebzigern verabschiedete sich die AU-7683 aus der Rallye Szene und eine Hand voll Privatiers sollten sie nun vornehmlich bei Bergrennen pilotieren. Unter deren Händen sollte sich das Erscheinungsbild nahezu jährlich verändern und die ehemalige 9846HL76 erlebte eine wahre Metamorphose.
In chronologischer Reihenfolge eine kurze Abhandlung dieser Umgestaltungsmaßnahmen stellt nachstehende Bilderserie dar.

1977 ungarischer Bergmeister Dezső Kiss 1980 Mihály Balatoni 1989 András Faragó-Szabó 1990 Bergrennen Pécs - István Gál

„In Hungary this particular Alpine was called „evil frog“ and it was truly evil -  a ride with this Alpine sometimes was dangerous. Unfortunately, I received this Alpine much too late to be competetive against Roser and Thérier, for example. As Roser won Munic-Vienna-Budapest with his Berlinette in 1969, we still  drove on R8 Gordini“
Attila Ferjáncz
Foto © András Fekete
Vor den im Ostblock gängigen Rallyewagen wie Lada, Skoda oder Wartburg, erschien diese Werks-Berlinette aus Frankreich fast wie von einem anderen Stern.
Foto © Antonio Biasioli
Rallye Elba 1974 (IT)
Foto © Robert Szombati
„parc ferme“
Bulgarien Rallye 1975 – links neben der AU-7683 die Berlinette 1800 Gr. IV der Gebrüder Takov aus Bulgarien. Die beiden einzigen 1800er Berlinetten, welche in den Ostblock ausgeliefert wurden und jenseits des eisernen Vorhangs die Rallye Szene bereicherten. Beide Fahrzeuge fanden fast 40 Jahre später ihren Weg nach Deutschland und sind heute fester Bestandteil der AlpineLAB-Collection.

SAR

search and rescue

   

Obwohl der Verkauf der 9846HL76 im März 1974 nach Ungarn unter Insidern kein Geheimnis darstellte, galt selbige lange Zeit als verschollen – gar wurde sie in diversen Publikationen in Deutschland vermutet. Das Fahrzeug verblieb jedoch all die Jahre in Ungarn und fristete lange Jahre ein klägliches Dasein auf dem Hinterhof eines Schrottplatzes. Ein ehemaliger Mechaniker des Team VOLAN hatte das Fahrzeug übernommen, nachdem es auf den Rallyepisten im Ostblock nicht mehr konkurrenzfähig war. Die ehemalige 9846HL76 erlebte unter ihm eine wahre Metamorphose und wurde allerlei technischen Modifikationen unterzogen. Letztendlich wurde sie vom damaligen Besitzer ebenfalls ausgemustert und sah nur notdürftig gegen Witterungseinflüsse geschützt, einem ungewissen Schicksal entgegen. Dieses trostlose Dasein sollte ein Ende finden. Wir spürten das Fahrzeug in Ungarn auf, konnten es erwerben (... an dieser Stelle nochmals Dank an meinen ungarischen Freund Robert S.) und überführten es nach Deutschland, womit die seither fälschlichen Publikationen nun ihrer Richtigkeit zugeführt wurden.

„identité de la belle“ – die Plaketten zeugen von der besonderen Herkunft dieser Berlinette.

Kaum wieder zu erkennen – die 9846HL76 gekleidet in ungarischen Nationalfarben. mit Patina, aber original vorhanden – ultra rares MOMO Werkswagen Lenkrad.

Restauration

blood, sweat & tears





Die Substanz des Fahrzeuges war deutlich schlechter, als es der erste Eindruck vermuten lies. Die Demontage ließ keinen Zweifel daran, dass diese Berlinette in ihren Rallyeeinsätzen hart rangenommen wurde. Es traten jedoch im Gegenzug viele Details und Eigenheiten einer solchen Werks-Berlinette zu Tage, die der geneigte Alpine Liebhaber in Ermangelung einer Gelegenheit, so noch nie in Augenschein nehmen konnte.
Die Restauration der 9846HL76 dauerte lange. Ein kleiner Querschnitt der Arbeit vermittelt die obenstehende Collage.

Back On Track

Nach vollendeter Restauration präsentiert sich die 9846HL76 wieder in Ihrer originalen Werkslackierung im Design der österreichischen Alpenfahrt 1973. Bei ausgesuchten historischen Motorsport- Veranstaltungen soll sie nun zukünftig Präsenz zeigen und die Marke Alpine Renault im vielfältigen Starterfeld klassischer Sportwagen würdig vertreten. Schlamm und Schotterpisten sollen ihr fortan erspart bleiben.
Alle Fotos © powerslide





Bilderbuch

A110 1800 Gr. IV works 1973 im Detail

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